Ein guter Startpunkt zur Erkundung der 2600 Jahre alten Stadt ist der Vieux Port. Im Morgenlicht verkaufen die Fischer hier seit jeher den Fang der Nacht, Ausflugsschiffe warten auf Touristen, Jachtbesitzer verlassen ihre Boote, um in den nahen Einkaufsstrassen ihre Besorgungen zu machen, zahlreiche Museen und unzählige Cafés, Bars und Restaurants sind rund um das grosse Hafenbecken angesiedelt. Lassen Sie bei einem Café au lait und Croissant das bunte Treiben auf sich wirken. Danach können Sie das Spiegeldach von Lord Norman Forster bewundern und als erstes Ausflugsziel die gut sichtbaren Türme der Festung Saint Jean ansteuern.

Die beiden markanten Türme aus dem Mittelalter schützten die nördliche Hafenzufahrt. Von hier aus haben Sie die Wahl zwischen zwei Brücken. Die eine verbindet die Festung mit dem MuCEM, welches den Zivilisationen des Mittelmeers gewidmet ist. Ein Leckerbissen für alle, die an Anthropologie, Archäologie, Geschichte, Kunstgeschichte und moderner Kunst interessiert sind. Und für alle, die gerne hervorragend essen, denn hier finden Sie das mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurant von Gérald Passédat, das auf dem Dach einen eigenen Garten kultiviert. Hier wachsen Kräuter wie Petersilie, welche auch in eine Bouillabaisse gehört.



Entscheiden Sie sich für die andere Brücke, kommen Sie ins Panier, der alten Innenstadt Marseilles, die 2013 auch Kulturhauptstadt war. Die Gassen rund um die Rue du Panier sind hier besonders pittoresk und der spannende Mix aus mediterran-dörflichem Erbe und trendigem Zeitgeist lädt dazu ein, länger zu verweilen und in einem der exquisiten Restaurants ein leichtes Mittagsessen zu geniessen. Übrigens werden Kartoffeln und Fischfilets separat zur passierten Bouillabaisse serviert und mit einer Rouille, der mayonnaiseähnlichen Knoblauchsosse, gegessen. Einfach köstlich.


Frisch gestärkt können Sie sich aufmachen zum besten Aussichtspunkt der Stadt, der Kapelle Notre-Dame de la Garde. Sicher werden Sie in einer der Bäckereien auf dem Weg, das Marette erkennen – ein langes, schlankes Weissbrot, das geschnitten zur Bouillabaisse gereicht wird. 161 Meter über dem Meer gelegen bietet Notre-Dame de la Garde einen malerischen Ausblick auf Marseille und das Mittelmeer sowie südlich auf das nahe Naturschutzgebiet Calanques und nördlich auf die Hügelkette Estaque. In der byzantinischen Basilika sind zahlreiche Mosaike und Mobiles von Schiffen zu bewundern. Es waren übrigens die Schiffe der Katalanen, die den Safran nach Frankreich brachten, der heute in jede Bouillabaisse gehören.


Gelüstet es Sie nach einem erfrischenden Getränk oder einem kurzen Sprung ins Meer empfehlen wir, wieder runter zu laufen zum kleinen Hafen Vallon des Auffes im Stadtteil Endoume, etwas abseits des Zentrums. Hier liegen bunte Fischerboote im Wasser, umringt von Restaurants. Ganz in der Nähe gibt es einen Meereinstieg (beim Tauchclub), nur 800 Meter weiter den Strand «Anse de Catalans». Übrigens kochten die Fischer in der ursprünglichen Variante der Bouillabaisse Fischreste in Meerwasser.


Falls Sie sich nach einem Glas «Ricard», dem Marseiller Pastis, mit dem die Bouillabaisse traditionell abgelöscht wird, noch ein bisschen Hunger erlaufen wollen, bietet sich der Spazierklassiker entlang der Prachtpromenade «La Corniche» an. Besonders schön wirken die Klippenküste, das Frioul-Archipel und die prachtvollen Villen bei Sonnenuntergang.


Sonntag könnten Sie einen Ausflug in die Calanques unternehmen. Ab dem Vieux Port starten unterschiedlich lange Touren per Segelboot, Katamaran oder gar mit dem Kajak zu Frankreichs jüngstem Nationalpark. Dieses einzigartige Naturparadies erstreckt sich zwischen Marseille und Cassis und besteht aus einer Kette von Minifjorden mit kalkweissen Felsen, azurblauem Wasser, hellen Stränden, steilen Klippen und Pinienduft. Es ist dieses trockene Klima, das sich auch in den Zutaten der klassischen Bouillabaisse niederschlägt: Thymian, Orangenschale, Safran, Knoblauch, Olivenöl, Tomaten, Lorbeer.


Wollen Sie nicht so weit weg vom quirligen Leben der Stadt, können Sie auch zu den Pomègues übersetzen. Diese vier Inseln aus Kalk in der Bucht von Marseille punkten mit Restaurants, Jachthafen, Meerbarschzucht und Landschaft, von der Sonne verbrannt und Wind und Wellen geformt.